Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.
Der Herr steht vor der Tür des Herzens. Siehe! spricht er; damit weist er uns auf uns selbst! Siehe doch, Frieden hast du nicht in deinem Herzen, so lang der Heiland noch draußen steht vor deiner Tür; es ist öd' und leer, kalt und dunkel darin, mitten in allem äußern Glück, und wie finster gar, wenn dir der Welt Licht auslöscht in Not und Tod. Siehe! spricht er; damit weist er uns vor Allem aber auf sich selbst, wer der ist, der vor der Tür steht. Siehe, er ist ja kein Räuber und Feind, vor dem man sein Haus verschließen müsste; er ist ja kein böser Geist, der gekommen uns zu quälen; er will ja nichts von uns haben, er will uns bringen, das Heil uns bringen und die Erlösung: Er, der Herr, der Friedebringer, der Herr der Herrlichkeit, der Fürst des Lebens. Und doch haben wir ihm die Tür verschlossen; die Türe des Herzens, die wir so weit auftun, bittend und suchend nach menschlicher Freundschaft und Liebe, die uns schon so oft betrogen, und die uns zuletzt immer verlassen muss. Und doch haben wir ihn noch nicht eingelassen. Und doch steht er noch immer vor der Tür wie ein Bittender, als bedürfte er unserer Liebe, und wartet in großer Geduld. So stand er einst vor des Zachäus' Tür: Ich muss heute bei dir einkehren, so steht er vor jeder verschlossenen Herzenstür, wartend und suchend, so steht er auch vor deiner Tür und klopft an. Barmherziger Heiland, du hast uns je und je geliebt und zu dir gezogen aus lauter Güte; gib, dass wir unsre Herzen nicht verstocken, sondern heute, so wir deine Stimme hören, dir auftun und dich aufnehmen mit Freuden. Amen.
Off. Joh. 3,20.
Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.
Der Herr will in unsere Herzen einkehren. Darum klopft er an, in tausend Stunden, immer lauter und dringender, damit wir ihm auftun. Warum haben wir ihm denn nun nicht aufgetan? 'Vielleicht haben wir bisher geschlafen, haben darum sein Anklopfen nicht gehört, es überhört über all den vielen irdischen Stimmen, die in uns durcheinander schwirrten. O dann wache auf, der du schläfst, stehe auf von den Toten, dass dich Christus erleuchte! Oder wir haben vielleicht gedacht: Es ist noch immer Zeit. Morgen, oder über's Jahr, oder auf dem Sterbebett, da will ich ihm auftun, nur nicht heute gerade. Aber es ist gefährlich, also zu trotzen auf des Herrn große Geduld und ihn warten zu lassen. Ja, er wartet, und klopft wohl immer wieder an, aber einmal zum letzten Mal, und wer weiß, wann das ist; wer weiß, wie nahe mir mein Ende, hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Oder vielleicht haben wir ihm wohl aufgemacht, aber nur so weit, dass er in einem Winkel des Herzens. wohne. Er aber will auf dem Thron des Herzens sitzen, er will's ganz haben, allein haben, als König inne haben, oder gar nicht. Darum so lasst uns doch seine Stimme hören: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Lasst ihn nicht draußen stehen und vergeblich warten. Tut ihm auf. Denn also lautet ja seine selige Verheißung: „Wer meine Stimme hören wird und die Tür auftun, bei dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir.“ Selig sind, die ihm auftun; er nimmt sie auf in seine innigste Gemeinschaft, also dass sie es innerlich erfahren: Ich bin dein, du bist mein, Niemand kann uns scheiden.